Hitchhaker’s Guide to Software Desasters - Hartz IV-Software: Einmal A2LL, immer A2…
software meine Frage:
> Im Grunde werden doch hier nur viele Daten von sehr vielen Personen
> erfasst, gebündelt und ausgewertet. Richtig?
Klar, das Problem liegt allerdings im “nur”.
> Das gibt doch schon massenhaft im Behördenalltag: Einwohnermeldeämter
> von Grosstädten, zentrales KfZ Register, Finanzämter usw usw. Dort
> klappt das auch weitestgehend.
Offensichtlich eher nicht, und das beantwortet bereits die meisten
nachstehenden Fragen-
> Warum ist das jetzt im Falle der Hartz IV Software so unglaublich
> schwierig?
> [1] Liegt es an der Menge der jeweilig erhobenen Daten pro Person?
Das erscheint vgl. handhabbar — gut, die Datenbasis musste erst
einmal erstellt werden, das war bekanntermaßen recht schwierig,
langwierig und fehlerbehaftet (die Presse berichtete. — Teils
einfache Eingabefehler bei der manuellen Datenerfassung, kann
passieren, teils fehlerhafte Batchprozesse — schon ärgerlicher ..).
> [2] Liegt es an der Menge der Personen?
Auch. Viele Köche .. (weniger die Menge der zu “behandelnden”
Personen resp. ihrer Daten, eher die Menge der am Entwurfs- und
Entwicklungsprozess beteiligten Köpfe und Hände.)
> [3] Oder liegt es an der Menge der angeschlossenen Terminals?
Das dürfte es eigentlich nicht sein (obwohl auch hier
Infrastrukturprobleme in der Presse gemeldet wurden).
> [4] War die Zeit für die Entwicklung nicht ausreichend?
Das ist sicherlich ein wesentlicher Grund. Die gesetzliche Grundlage
wurde ja erst auf aller-aller-letzten Drücker festgezurrt.
> [5] Oder die Mittel?
Typischerweise sind Software-Entwicklungsprojekte immer zu knapp
budgetiert. Da hilft nichts. Nicht einmal: mehr finanzielle Mittel
(ich sag’ mal als Stichwort: “Teufelsquadrat”, für die Projektmanager
im Raum).
> [5] Sind die Entwickler blöd?
Auch nicht blöder als der Durchschnittsmensch. Fehler sind leider
immer möglich .. ein derartig großes Projekt sollte allerdings ein
ordentliches Exception-, Test-Management etc. aufweisen.
> [6] Oder diejenigen die das System füttern ?
siehe oben.
> Kann das jemand verständlich erklären ?
Große Projekte tendieren leider allzu oft dazu, aus dem Ruder zu
laufen. Die Ursachen finden sich in der Regel an zwei entscheiden
Stellen: Unklare, variierende oder mißverständliche Anforderungen
(schlimm, schlimm — aber nur sehr bedingt zu vermeiden) und eine
ungeeignete Softwarearchitektur (bestimmte Engpässe im Gesamtsystem
nicht berücksichtigt, Inkompatibilitäten, fehlerhaft oder nicht
dokumentierte Altsysteme, die zu integrieren sind etc.).
Echte Praktiker, die schon mal an einem dicken Flopp mitgewirkt
haben, dürfen gerne ergänzende Ausführungen treffen
mfg, fbahr