Re: Software ist kein Wirtschaftsgut - Die Software-Industrie und die Menschenr…
softwareDefinitiv falsch. Das die klassischen Ansichten der
> Wirtschaftswissenschaften das nicht erfassen, ergibt sich lediglich
> daraus, dass Software bei der Definition der untersuchten
> Zusammenhänge in der Form nicht existierte.
Das ist ein Widerspruch in sich. Entweder hat es Software in dem
Sinne nicht gegeben, wie es keine GPS-Navigationssysteme oder
Handies gegeben hat. Das ist trivial, denn staendig entstehen
oder vergehen Warengruppen. Dann muss die Oekonomie sie erklaeren,
oder sie ist unvollstaendig bzw. falsch. Oder Software hat eine neue
Qualitaet, die von einer an Knappheit, Produktionskosten
etc. orientierte Obkonomie nicht erfasst. Das aber ist genau,
was der Vorposter schrieb.
> Software folgt durchaus
> auch dem Charakteristikum von Knappheit: wenn der Bedarf nach
> computergestützter Verarbeitung von Daten vorhanden ist, ist die
> Software notwendig.
Na und? Luft ist auch notwendig. Lebensnotwendig sogar, aber
nicht knapp. Ein Planet mit fuer organisches Leben geeigneten
Bedingungen ist auch notwendig, und relativ knapp - ist nur
einer, und der wird nicht gerade wohnlicher. Trotzdem ist er
kein Wirtschaftsgut. Und Computer arbeiten auch mit freier
Software.
> Im Umkehrschluß gilt auch für eine reihe von
> Pordukten der klassischen Industrie, dass sie eigentlich nicht
> benötigt werden (–> Luxusgüter e.g.).
Die Oekonomie beschaeftigt sich nicht mit der ethischen Wertigkeit
von Waren. Der Unterschied liegt darin, dass “normale” Waren und
Dienste nicht beliebig reproduziert werden koennen. Anders gesagt:
Was ich a geben will, muss ich b wegnehmen. Das trifft auch auf
Luxusgueter oder Nonsensprodukte zu.
> > Das bizarre an der Diskussion hier im Forum ist, das fast
> > jeder bereit zu sein scheint eine Art virtuellen
> > “Knappheitsersatz” (das Wort gefällt mir!) in Form von
> > juristischen Konstrukten wie Patenten, Lizenzen, Copyright
> > etc. zu akzeptieren.
> Dein Ansatz stimmt nicht. Damit stimmt logischer Weise auch deine
> Ableitung so nicht.
Du hast seinen Ansatz nicht widerlegt. Natuerlich stimmt seine
Beobachtung: Eine unbegrenzte Ressource wird mit Gewaltmitteln
bzw. Androhung von Gewaltmitteln kuenstlich verknappt.
> > Selbst die Konsequenz der Einschränkung der persönlichen
> > Freiheit seitens weniger Konzerne zwecks Schaffung einer
> > Akzeptanz für obigen Knappheitsersatz und somit eines
> > zeitlich unbegrenzten Monopols wird als irgendwie notwendig
> > wenn auch nicht schön, geschluckt.
> Und das ist schlicht Unsinn, sorry. Es handelt sich eben nicht um
> Einschränkung von persönlicher Freiheit, genauso wenig wie mir SW
> mehr Freiheit verschafft (in philosophischem Sinn, alles andere ist
> Gummi und beliebig dehnbar).
Software kann durchaus mehr Freiheit verschaffen. Als Mensch mit
ungelenker Handschrift verschaffen mit Schreibprogramme eine von
meinen Mitmenschen lesbare Schrift, ich kann schnell aendern und
nachtraeglich einfuegen. Ich musste Diplom- und Doktorarbeit noch
mit Schreibmaschine, Schere und Klebstoff herstellen, und ich
weiss die Befreiung zu schaetzen. Eine freie Software wie TeX/LaTeX
gibt viele Moeglichkeiten professionellen Textsatzes mit Formeln,
Symbolen und fremd- bzw nichtalphabetischen Schriften. Software
ist ein Teil des Wissens der Menschheit.
Ich sehe das vielleicht etwas weniger radikal als RMS, und finde,
dass man eine moderate Verfechtung von Urheberrechten schon an
ihrem Platz lassen sollte, auch bei (proprietaerer) Software, wo
das gewuenscht ist. Aber ganz gewiss kommt freier, quelloffener
Software ein wichtiger Platz zu, auch in einer erwerbswirschaftlichen
Ordnung.
Eine Perversion des Kapitalismus in einen verfaulenenden Feudalismus
stellen die Zumutungen der Rechteverwertermafia dar. Fuer diese
arroganten Fuersten sollte man schon mal die Guillotinen schmieren
(im uebertragenen Sinne).
> Ei nAutomobilhersteller begrenzt mich
> auch nicht in der Freiheit, auch wenn ich für mein Auto nur
> Ersatzteile von mercedes verwenden kann und keine von VW.
Du scheinst den kleinen Unterschied nicht sehen zu wollen: die
Ersatzteile - die schon aus Gruenden der economy of scale immer
mehr standardisiert werden - sind materielle Produkte.
> > Eine kleine Provokation zum Schluß: Je länger ich mich mit
> > “freier” Software, und somit auch mit Stallmans Ideen
> > beschäfige, desto mehr neige ich seinen Ansichten zu.
> Die Ansichten von Stallmann sind aber schlicht idiotisch, da sie
> Software auf Philosophie zu adaptieren versuchen.
Stallmans Ansichten sind alles andere als idiotisch. Sie sind
zwar pointiert und vielleicht hier und da uebertrieben. Aber
sie weisen in eine richtige Richtung.
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