Software und blaue Augen - Software muß frei sein!
softwarerhältnis zu Stallmans Aussagen ist ambivalent. Die
Vehemenz, mit der er Linus Torvalds basht, sagt jedenfalls viel
über seine eigene Motivation aus. Er hat viel Arbeitszeit
investiert, also will er auch den Ruhm. Dagegen ist nicht viel zu
sagen, außer daß diese Einstellung auf gesellschaftlicher
Ebene leicht mit seinem altruistischen Aktivistentum kollidiert. Dabei
müßte gerade er mit seinen Verdiensten sich keine Sorgen
darum machen, daß seine Arbeit nicht anerkannt wird. Was er
über das Verhältnis von Musikern zur Musikindustrie sagt, ist
dagegen problematisch. Das Geschäftsmodell “Ich mache eine Website
auf und spare mir den Zwischenhandel” ist einfach deppert und
gehört in jene Sonntagstexte, die vor drei Jahren von Bill Gates’
Ghostwritern verfaßt wurden. Die allermeisten Musiker oder
sonstigen Künstler sind nicht in der Lage, gleichzeitig gute
künstlerische Produkte herzustellen und diese dann auch noch
technisch zu vervielfältigen und seinen Namen als Trademark
aufzubauen. Das heißt aber auch, daß die Musikindustrie nur
deshalb so panisch auf mp3 reagiert, weil seit geraumer Zeit in dem
Verhältnis zwischen Künstlern und Suits etwas nicht stimmt.
Verlage haben die untergeordneten Service-Organisationen für die
Kulturschaffenden zu sein, nicht umgekehrt. Leider sind Wissen und
Kreativität ohne das Kleingeld, das nötig ist um sie
umzusetzen und eine gut bestallte Copyright-Rechtsabteilung nur einen
Scheißdreck wert. Dieses Problem ist durch freie Software nicht
zu lösen, sondern nur durch gesunden Menschenverstand und guten
Willen. Gut finde ich es, daß Stallman offenbar - im Gegensatz zu
anderen mir bekannten Positionen aus der Free-Lunch-Ecke -
Künstlern ein Recht auf Entlohnung ihrer Arbeit zuspricht. Das
Political-Correctness-Sektierertum zwischen GNU und Linux, das sich da
andeutet, könnte aber gefährlicher werden als alle Billy-Boys
der Welt zusammen.