Archive for March, 2008

Re: Freie Software gegen Software-Patente - Konferenz zur Ökonomie freier Software

Wednesday, March 5th, 2008

> > Kannst du mal ausführen, in welcher Weise freie Software ein Einfluß
> > auf Softwarepatente ausübt?
>
> Also ich könnte mir vorstellen das es bei Open Surce wesentlich
> einfacher ist eine Patentverletzung nachzuweisen. :-) Das ist richtig, der Patentinhaber hat es bei OpenSource leichter,
einen Verstoß nachzuweisen.
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, daß jemand ohne näheren Verdacht
Quelltexte sichtet, ob da irgendwelche Verstöße drin sind. Ich denke,
daß es eher so läuft, daß sich aufgrund äußerer Umstände ein Verdacht
ergibt, dem dann nachgegangen wird. Bei OpenSource ist dann die
Überprüfung einfacher, ansonsten muß der Source einem Gutachter
gegenüber aufgedeckt werden müssen, was wohl meist eine
Gerichtsverhandlung und die damit verbundenen Kosten voraussetzt.
Liegt keine Patentverletzung vor, zahlt der Patentinhaber drauf.
Durch Opensource entfällt dieses Risko. Zusätzlich begünstigt freie
Software die Verwendung bestimmter Bibliotheken. Hier lassen sich die
Kosten für einen Patentinhaber weiter senken, kann doch automatisch
nach der Verwendung dieser Bibliothek gesucht werden, falls der
Patentverstoß in der Bibliothek stattfindet.
Insofern begünstigt freie Software Softwarepatente.
Sagen wir es mal umgekehrt, Hersteller und Anwender Freier Software
und genauso auch anderer OpenSource-Software sind von
Softwarepatenten noch mehr gefährdet, als Hersteller und Anwender von
Software, deren Quelltext nicht bekannt ist.
Ich denke, daß viele dem Irrglauben erliegen, daß ein Patent keine
Rolle spielt, wenn man kein Geld nimmt, das sorgt eher dafür, daß die
Software
nicht mehr legal verbreitet und angewendet werden kann, weil
niemand in der Lage ist, Lizenzgebühren zu bezahlen.
Ich bin sehr dafür, daß Softwarepatente nicht in der aktuell
geplanten Form zugelassen werden, aber mit Freier Software kommt man
da keinen Schritt weiter, daß ist eher eine “Vogel Strauß”-Politik.
MfG Pit.

Re: Freie Software gegen Software-Patente - Konferenz zur Ökonomie freier Software

Tuesday, March 4th, 2008

> Wenn also alle Ihren Surce veröffentlichen müssen kann ich mir
> durchaus vorstellen das viele Firmen plötzlich gegen Softwarepatente
> sind :-) Das wir das jemals erleben, halte ich für einen unrealistischen
Traum. Und ich bin auch froh darüber. In der Gesellschaftsordnung, in
der wir derzeit leben, wäre eine Verpflichtung zu Freier Software
nicht sinnvoll. Als Softwarehersteller muß man von seiner Arbeit
leben können, das geht nicht mit dem drumherum, es dürfte wohl kaum
jemand einsehen, daß er die Software umsonst bekommt, aber dafür das
Handbuch teuer bezahlt (um es mal drastisch auf den Punkt zu
bringen). Irgendwoher muß das Geld für den Softwareentwickler kommen.
Man könnte mit Werbung arbeiten, so wie bei den privaten
Fernsehsendern. Da bezahlen wir hintenrum auch mehr als bei der GEZ,
ähnliches wäre dann auch für die Software zu erwarten. Irgendwie muß
die Werbung ja bezahlt werden, die sonst gar nicht nötig wäre zu
erstellen (schafft dafür natürlich auch Arbeitsplätze).
Ein anderes Modell wäre es, wenn wir die Softwareindustrie
subventionieren, Subventionsmißbrauch dürfte hier hauptsächlich die
ehrlichen Entwickler benachteiligen, meiner Erfahrung nach gehören
gute Softwareentwickler am ehesten zu dieser Gruppe.
Oder die Softwareindustrie bricht komplett zusammen und
Softwareentwicklung findet nur noch in der Freizeit statt. Nichts
gegen Hobbyprogrammierer, aber das Ergebnis dürfte insgesamt eher
verheerend sein. Softwareentwicklung kann man nicht mal eben so in
Stundenblöcke aufteilen, zumal man nach einem Arbeitstag eben auch
geschafft ist und damit nicht mehr so leistungsfähig. Genausowenig
ist jemand in seiner Freizeit in der Lage, sich permanent
weiterzubilden, um mit der Entwicklung Schritt zu halten, das
schaffen oft genug bereits professionelle Entwickler nicht.
Bevor man sich etwas vormacht, die wesentliche Weiterentwicklung von
bedeutender Freier Software, wie z.B. Linux, wird von Leuten
getragen, die für diese Arbeit inzwischen hauptberuflich zuständig
sind, sozusagen gesponsert werden. Das sind mitnichten
Freizeitprogrammierer, auch wenn sie meist so angefangen haben (da
wohl dann aber auch als Studenten).
OpenSource kann die Software-Qualität verbessern, vorausgesetzt gute
Entwickler beteiligen sich daran. Sie kann die Entwicklungskosten
senken, vorausgesetzt der verwendete Source ist qualitativ gut.
Insofern ist eine Nutzung und die Beteiligung an OpenSource auch für
professionelle Entwickler eine vernünftige Sache. Nur nimmt er kein
Geld für die Software, dann haben wir das oben angesprochene Problem.
Nimmt er Geld, verstößt er gegen die Lizenz für Freie Software.
Veröffentlicht er den Quelltext, dann haben wir oft ein weiteres
Problem. Viele professionelle Softwareentwickler arbeiten in einem
Bereich, wo die Software nur einen anzahlmäßig geringen Kundenkreis
hat. Die Entwicklung solcher Software kostet Geld und oft genug nicht
gerade wenig. Dieses Geld wird in der Regel vorgestreckt und muß
mittels einer bestimmten Anzahl von Kunden wieder hineinkommen.
Veröffentlicht die Firma den kompletten Quelltext, kann ein anderer
Anbieter den Source nehmen, kleinere Änderungen machen und da sie
keine großen Entwicklungskosten hatte, ihre Software wesentlich
billiger auf den Markt bringen. Das bedeutet das aus für die Firma,
die eigentlich die Leistung erbracht hatte.
Bleibt für solche Entwickler also nur der Bibliotheksbereich für
OpenSource. Viele Entwickler sprechen sich derzeit generell gegen
OpenSource aus, weil OpenSource von ihnen gleichgesetzt wird mit der
GPL, also Freier Software, die durch ihre Ansteckung aber aus den
genannten Gründen unbrauchbar ist.
Auf der anderen Seite gibt es viele OpenSource-Entwickler, die sich
dem Problem ebenfalls nicht bewußt sind, und deshalb die GPL als
Lizenz benutzen, was wiederum verhindert, daß ihre Bibliotheken in
professionellen Anwendungen verwendet werden können. Und was nebenbei
auch verhindert, daß sich professionelle Programmierer mehr an
solchen Biblioheken beteiligen.
Heißt unterm Strich, daß Freie Software eher hinderlich für die
OpenSource-Bewegung und die Softwareindustrie ist, hier sind
Lizenzmodelle, wie die MPL erheblich sinnvoller. So jetzt bin ich in
diesem Thread Off-Topic geworden, zum Glück paßt es noch zum
Hauptthema. Ich habe deshalb meine Antwort auch in zwei Teile
geteilt.
MfG Pit.